Samstag, 14. November 2009

Allumfassendes Wirken

[...] Als Teil des kosmischen Mechanismus zu funktionieren, ohne das Unmögliche zu versuchen, wird auch das 'Denken am Grund des Nicht-Denkens' oder das 'Loslassen der Gedanken' genannt. Das ist Zazen: die Praxis einfachen, absichtslosen Sitzens. Dieses Zazen ist die Gestalt des kosmischen Mechanismus. Zazen ist kein Mittel zum Zweck der Erleuchtung. Zazen ist kein Mittel für irgendwas. Ich sage immer:'Zazen bringt nichts!' [ Kodo Sawaki, 'Jeder Tag ist ein guter Tag' ]



Dienstag, 12. Mai 2009

Studieren

Viele 'verstehen' und 'studieren' Zen. Ganz so, als gäbe es am Schluss des Semesters Noten zu verteilen. Ja, vor allem 'Koan-Arbeit' wird teilweise regelrecht akademisch betrieben oder die 'Lösung' einfach nur nachgeplappert, weil man sie mal irgendwo aufgeschnappt hat. Da müssen Lösungen präsentiert werden, da müssen gute Noten erzielt werden, aber für wen und wozu? Entweder will man sich selbst irgendwas beweisen oder einem wie auch immer gearteten 'Lehrer'. In beiden Fällen wird wieder einmal nur ein gieriges 'Zenego' gefüttert. Die 'Wirklichkeit' interessiert nicht, nur die eigene 'Einbildung'.

Wenn du 'Zen' bloß denkst, geistig durch die Gegend onanierst und dir dabei auch noch vorkommst wie Buddha, Gödel, Einstein, Dogen und Wittgenstein in einer Person vereint, wirst du mit 'Zen' wirklich nichts anfangen können, selbst wenn 'du denkst' dass du es könntest. Ejakuliere doch auf deinen Philosophie Professor; er wird dir für deine geistigen Ergüsse eine Note geben und du kannst 'dich' dann richtig 'gut' fühlen. Natürlich nur, wenn du damit auch deinen Professor befriedigt hast, welcher darauf steht, wenn du - natürlich korrekt - vor ihm (nicht unbedingt zeitlich) zum Orgasmus kommst. Lass es mich betonen: 'Zen' hat mit 'Selbst-Befriedigung' nichts am Hut.

Montag, 11. Mai 2009

Bodhisattva

Du sagst, mit 'Nur-Sitzen' ist es schon getan? Du bleibst auch dann im Sitzen sitzen, wenn ein halb verhungerter Mensch auf dich zukommt und um Essen bittet? Du sagst, du hättest doch 'Körper und Geist' abgeworfen? Dann frage ich dich, wenn dem wirklich so ist, warum zum Teufel gibst ihm dann nicht zu Essen?

'Ist' ist 'Geist'. 'Geist' ist in Wirklichkeit umfassendes 'Ist' und somit umfassende 'Leere'; darum 'ist' er dieser Körper, Mond, Mauer, Ziegel, Steine, darum ist er alle Dinge, darum ist 'Geist' genau dasselbe wie das ganze All. Darum ist alles so wie es 'vor uns' erscheint die Wahrheit. Darum ist alles einfach genau so wie es ist. Darum bist du dieser Körper, welcher dein 'Geist' ist. Darum 'bist' du einfach genau so dieser Körper, welchen du mit einem gesonderten 'Geist' weder denken noch nicht-denken kannst. Genau so wie Mond, Mauer, Ziegel, Steine. Nahtlos, der Körper, welcher das ganze All ist.

Aus diesem 'Geist' heraus ging wohl auch der Buddha in und als die Welt, denn er war dieser Körper, welcher das ganze All ist. Glaube jedoch nicht, dieser 'Gang' wäre nur ein einmaliges Ereignis gewesen. Dieses 'Ereignis' setzte sich ungebrochen fort! Jedes 'Tun' des Buddha war dieser 'Gang'. Letztendlich war es auch kein 'ungebrochener Gang', es war einfach genau so. Es war die Wirklichkeit genau so wie sie ist, nicht wie Buddha dachte dass sie sei.

Genau so wie es ist! Nicht aus einem 'Ego' heraus, sondern 'aus der Welt', so wie sie ist und nicht wie du 'denkst' dass sie ist. Sitzt du also in Zazen und es kommt jemand vorbei der Hunger hat, dann steh auf und gibt ihm was zu Essen. Du wirst dabei 'Shikantaza' nie verlassen. Dies wird das 'Shikantaza der Buddhas und Patriarchen' genannt.

Ich geben ihm nicht zu Essen, weil ich mich danach 'gut' fühle, oder gut fühle, weil ich etwas Gutes getan habe, oder irgendwelche 'Ziele' damit verfolge, wie irgendein gutes 'Karma', oder gar einschleimen bei 'Gott', um in den 'Himmel' zu kommen. Ich will gar nicht in den Himmel! Da hockt schon Mutter Theresa und hat den Himmel für sich gepachtet. Ich gebe ihm zu Essen, weil 'das' die Wirklichkeit selbst ist, weil ich in (der) Wirklichkeit gar nicht anders kann als ihm Essen zu geben! Gebe ich ihm nicht zu Essen, kommt das einer Rückkehr zur 'Landkarte' gleich.

Das ist wahres 'Mitgefühl'. Einfach zu Essen geben, ohne ein 'Ziel' damit zu verfolgen. 'Ich' habe etwas Gutes getan, 'ich' tue Gutes, 'ich' will Gutes tun? Was willst du dafür? Zumindest ein 'gutes' Gefühl? Du blähst dein Zenego nur noch weiter auf, du 'guter' Mensch. Etwas 'Gutes' tun ist in Wirklichkeit zwecklos, sinnlos, bringt nichts. Liebe ist in Wirklichkeit zwecklos, sinnlos, bringt nichts. Was, das kommt dir etwa bekannt vor? Wird sowas ähnliches nicht auch von deinem 'Sitzen in Zazen' behauptet? Ja? Dann setze alles um. Tu es einfach. Genau so. Dann kann dich der Hungrige einen wahren Bodhisattva nennen. Aber sei versichert, davon hast du nichts!

Sonntag, 10. Mai 2009

Zwecklos

Zazen bringt nichts, Zazen ist nutzlos, Zazen ist zwecklos. 'Wozu' also Zazen? Geh' raus und frag den Baum, was für Ziele er hat. Der Weg liegt jenseits des 'Bewusstseins'. Was das ist? Dieser Körper, die Kaffeetasse, 'dein' Hirn. Dein Hirn kannst du doch nicht 'denken' oder 'nicht-denken', oder? Deinen Herzschlag 'denken'? Ist doch auch Schwachsinn! Alles 'geschieht', ganz ohne deinen 'Geist' und deine 'Fragen'. Es geht nicht darum was du denkst, sondern was 'ist'. Die Dinge 'sind', sie haben kein 'Ziel'. 'Ziele' hat nur das, was 'Geist' genannt wird, aber das ist nicht die Landschaft, nur die Landkarte.

Wozu Zazen? Eben, es gibt in (der) Wirklichkeit kein 'Wozu'. 'Wozu' ist doch nur 'Denken'. Wenn Zazen Zazen praktiziert, drückst 'du' zur Abwechslung mal nicht 'dein' unwirkliches 'Ego' aus, sondern die Wirklichkeit selbst drückt sich aus. Das 'tut' die Wirklichkeit immer, sie 'tut' nie etwas anderes. 'Wozu' dann noch Zazen? Ist das dein Ernst?

Samstag, 9. Mai 2009

Es

Es ist mal wieder Seinzeit. Klopf! 'Klopf', das ist auch dieser Körper des Universums, der Zazen praktiziert. 'Klopf' ist kein Gerücht, das nur 'eventuell' mit dir zu tun hat oder nicht. 'Klopf', darüber habe ich auch an dieser Stelle geschrieben. So klar, so einfach, so simpel und so direkt ist Zen wirklich. Dagegen stinkt mein bisheriges Geschwafel extrem ab. So gibt es heute von meiner Seite aus zur Abwechslung mal nichts zu 'erklären'. Ich überlasse den 'Fingerzeig' - welcher 'auch' der Mond' ist - im folgenden Video den Zen-Meistern Seung Sahn Sunim, Hyon Gak Sunim und Dae Jin Sunim:


video


So nimmt jedes Staubkorn die Gestalt einer Lotosblume an, sodass, wohin das Auge blickt, Lotosblumen erblühen! Das ganze Universum, eine einzige klare Perle.

Montag, 4. Mai 2009

Hautsack

Du sagst: Körper und Geist sind nicht verschieden. Dieser Hautsack ist der eine Geist, der eine Geist ist dieser Hautsack. Das ist dieselbe Rede wie: 'Form ist Leere, Leere ist Form.' Man trifft eine Unterscheidung um zu Verstehen. Aber 'Verstehen' ist nur die Landkarte, ist nur 'Denken'. Wenn 'Körper' und 'Geist' nicht verschieden sind, warum muss man sagen sie seien nicht verschieden, um sie somit doch letztendlich wieder verschieden machen? Alles ist 'so wie es ist' und nicht wie 'ich denke', dass es ist. Darum ist: 'Form ist Form, Leere ist Leere' 'wirklich-Eins' und 'Form ist Leere, Leere ist Form' 'wirklich-Zwei, bloß Denken. Darum heisst es also weiter: Form ist Form. Leere ist Leere. Das Leben ist im Tod enthalten und der Tod ist im Leben enthalten; und doch ist Leben Leben und Tod ist Tod.'

Wir sagen also: 'Körper', was den Abstand zwischen Fingerzeig und Wirklichkeit erheblich verringert. Was bist du? Geist? Zeig mir deinen 'Geist'! Das kannst du nicht, ist er nicht fassbar? Aber da steht er doch! Da, dieser 'Hautsack', das ist es, das 'bist' du! Ein 'Geist', welcher unabhängig von den 'Dingen' existiert, lässt sich nicht fassen. Das Bild des Reiskuchens. Dieser Körper hier, das ist 'Geist'. 'Geist' ist nichts 'ätherisches'. 'Ätherisch' erscheint er nur, wenn wir ihn erfassen wollen - dann wird er (ein (scheinbares) Etwas) von den 'Dingen' getrennt. Solch ein 'Geist' ist nicht die Wirklichkeit, auch wenn wir ihn alle für die Wirklichkeit halten. Nur die Landkarte, nicht die Landschaft.

Die Landschaft 'ist' - auch wenn keine Landkarte da ist. So ist die Landkarte nie Wirklichkeit. Die Landschaft 'ist': Genau darin liegt der 'wahre eine Geist', jedoch gibt es in der Wirklichkeit keine Trennung zwischen 'Körper' und 'Geist', ganz zu schweigen von der 'Rede' einer 'Einheit' von Körper und Geist. 'Sangai Yuishin' - die drei Welten sind nichts anderes als der Geist - bedeutet nicht: Die drei Welten sind nur eine 'Projektion' unseres Geistes und es gäbe keine Welt. 'Sangai Yuishin' bedeutet: Die drei Welten sind dasselbe wie der eine Geist und der eine Geist ist dasselbe wie die drei Welten. Das bedeutet in Folge, dass diese 'Rede' bloß die 'Landkarte' ist.

Körper wie Sonne 'ist' 'der eine Geist'. 'Ist' ist der eine 'Geist'. 'Ist' ist nahtlos. Sonne 'ist', Körper 'ist', dasselbe 'Ist', immer jetzt, ein namenloser 'Block' an Wirklichkeit. Da gibt es keine 'Sonne' und keinen 'Körper'. Und doch 'ist Sonne', 'ist Körper'! Du verlangst nach einer weiteren 'Erklärung'?

'Ist' ist 'Geist'. 'Geist' ist in Wirklichkeit umfassendes 'Ist' und somit umfassende 'Leere'; darum 'ist' er dieser Körper, Mond, Mauer, Ziegel, Steine, darum ist er alle Dinge, darum ist 'Geist' genau dasselbe wie das ganze All. Darum ist alles so wie es 'vor uns' erscheint die Wahrheit. Darum ist alles einfach genau so wie es ist. Darum bist du dieser Körper, welcher dein 'Geist' ist. Darum 'bist' du einfach genau so dieser Körper, welchen du mit einem gesonderten 'Geist' weder denken noch nicht-denken kannst. Genau so wie Mond, Mauer, Ziegel, Steine. Nahtlos, der Körper, welcher das ganze All ist.

Form ist Leere, Leere ist Form. Form ist Form, Leere ist Leere. Wenn der Körper dieser 'Geist' 'ist', verschwindet er also nicht bzw. wird er plötzlich nicht mehr 'fassbar' oder irgendein abstraktes, ätherisches 'Irgendwas' wie unsere 'Ansicht', was 'Geist' sein soll. Vielmehr 'ist' der Körper der Körper und in Wirklichkeit ist da kein 'Geist', welcher auch der Körper ist, da solch ein 'Geist' verschieden von den 'Dingen' wäre, verschieden gemacht durch einen 'Geist'.

Wir können also getrost 'nur' vom 'Körper' sprechen ohne in Zweifel zu verfallen, wir würden dabei etwas wichtiges ausklammern. Der 'Körper' ist uns Normalbürgern eben nicht genug, wir müssen eine wie auch immer geartete 'Über-Wirklichkeit' der Wirklichkeit überstülpen. Damit entfernen wir uns von der Wirklichkeit und somit von uns selbst. 'Über-Wirklichkeit', das ist 'Über-Ist'. 'Über-Ist', das ist 'Bewusstsein', das ist 'dein Geist'. Bewusstsein ist immer: 'Bewusstsein von'. Das ist die Landkarte. Darum ist Zazen 'un-bewusst'. Darum ist Zazen 'un-denken'.

Der 'Geist' selbst ist alle Dinge und Phänomene dieser Welt. Deshalb können wir kein Objekt mit dem Namen 'Geist' erfassen, das unabhängig von den Dingen existiert. In der 'Wirklichkeit' gibt es keine Trennung zwischen 'Körper' und 'Geist' oder gar diese Rede von einer 'Einheit' von 'Körper' und 'Geist'. Das sind nur Methoden um zu Denken. Verstrick dich nicht! In der Wirklichkeit ist diese Rede von 'Einheit' scheißegal, weil es sowieso ist, genau so wie es ist. Da gibt es nichts mehr 'darüber' zu 'reden'. Jedes 'darüber-reden' trifft eine Unterscheidung um zu verstehen, eine 'Über-(die)-Wirklichkeit'. So wird aus 'Einheit' sofort 'über-die-Einheit', also 'Zweiheit'. Halt den Mund. Setz dich in Zazen. 'Geist' oder 'Nicht-Geist' ist dabei scheißegal. Es geht weder um 'Gedanken' noch um 'Gedankenstille'. Was zählt ist Hishiryo.

Im 'Chüeh-Kuan Lun' findet sich folgender Dialog zwischen Meister und Schüler. Er drückt unser 'scheißegal' wunderbar aus: 'Was ist der Geist? Und was ist Geistesruhe?' Meister: 'Höre auf vorzugeben, einen Geist zu haben. Höre auf zu versuchen, diesen zur Ruhe zu bringen: Dies bedeutet Geistesruhe.' Schüler: 'Wenn da kein Geist ist, wie können wir dann den großen Weg erlernen?' Meister: 'Selbst wenn du einen Geist hättest, könntest du den Weg nicht erfassen - der Weg ist vollständig jenseits von Dingen wie dem 'Geist'.'

Im 'Eihei Koroku' findet sich in 'Buch 5' folgender Satz: 'Zu sagen 'genau dieser Geist ist Buddha' ist Wahnsinn. Direkt auf den menschlichen Geist zu zeigen ist so distanziert wie der Himmel von der Erde..'

So sitzt du während Zazen nicht irgendwie ganz abstrakt 'in deinem Kopf' mit und in einem abstrakten, nicht fassbaren 'Geist', sondern mit und durch diesen 'Körper', welcher wie Mauer, Ziegel, Steine, ist, hier, jetzt, die Form vertiefend, in der Wirklichkeit mit der gesamten Wirklichkeit durch die gesamte Wirklichkeit. Kodo Sawaki bringt es auf den Punkt, wenn es um die ganz konkrete Praxis geht:'Zen ist nicht spirituell, tue es einfach mit diesem Körper!'

Nur um es dir zu 'erklären' falle ich jetzt wieder in 'Form ist Leere, Leere ist Form' zurück: Deine Körperhaltung 'ist' deine 'Geisteshaltung'! Das wiederum ist letztendlich auch wieder scheißegal. Körper 'ist'. Mond 'ist'. Alles ohne 'Über-Wirklichkeit'.

Sonntag, 3. Mai 2009

Alles Zen

Alles Zen! Wozu also überhaupt noch 'Shikantaza' praktizieren? Zu sagen: 'Zazen ist nicht nur 'Sitzen', Zazen ist alle Lebensbereiche', ist dualistisch. Warum praktizieren wir Zen, was bringt mir Zazen? All das ist - du kennst es schon zur genüge - die 'Rede' von 'Form ist Leere, Leere ist Form'. Was bringt mir Zazen? Diese Frage entspringt derselben Haltung wie: Alles Zen! Warum sitzen, warum nicht stehen, warum überhaupt sitzen, warum so oder so, ist doch alles, alles Zen, alles ist 'Eins'!

Klar ist es das! Aber warum schaffst du (und ich) mit dieser 'Feststellung' schon wieder eine 'Über-Wirklichkeit', ein 'Über-Ist', eine 'Über-Einheit', somit 'Zweiheit' und somit bloß 'Denken'? Lass es doch einfach bleiben, beende die Fragerei und setz dich erst mal nur richtig hin bevor du die Welt mit deiner ach so tollen 'Achtsamkeit' beschenkst , welche du aus dem 'Sitzen' mitgebracht hast, um uns endlich deinen ersten unglaublich achtsam zubereiteten Zen-Kuchen zu servieren.

Kümmere dich erst mal darum, richtig in Zazen zu sitzen indem du 'nur sitzt', bevor du mit Zentelefonieren, Zengehen, Zenkacken, Zenbacken, Zenficken oder Zenschreiben anfängst, nur um dein Zenego noch weiter und weiter in alle Richtungen des Universums aufzublähen. Akzeptiere die Einschränkung im 'Nur-Sitzen'! So manifestiert sich Zazen in allen anderen Lebensbereichen im 'Nur-Sitzen' von selbst. Es bedarf weder 'Dich' noch deiner 'Achtsamkeit' dafür.

Samstag, 2. Mai 2009

Hishiryo


Existenz. Du 'bist'. Körper 'ist'. Sonne 'ist'. Universum 'ist'. Wenn Du hier aufmerksam mitliest, hängt Dir das wahrscheinlich schon zum Halse raus. Trotzdem werde ich Dich immer wieder damit belästigen! 'Sonne 'ist'' bedeutet: 'Sonne' ist nur ein Wort ohne Selbstnatur, nur die Landkarte, nicht die Wirklichkeit. 'Ist' bedeutet, die Wirklichkeit. 'Was' es 'ist'? Weiß nicht. 'Was es ist' kannst Du nicht denken oder nicht-denken. Es 'ist'. So gibt es nicht 'Etwas'. 'Die Sonne' kannst du nicht denken oder nicht-denken. 'Den Körper' kannst du nicht denken oder nicht-denken. 'Das Universum' kannst du nicht denken oder nicht-denken. 'Tun' kannst du nicht denken oder nicht-denken, 'Sein' kannst du nicht denken oder nicht-denken, 'Jetzt' kannst Du nicht denken oder nicht-denken. Schlag mit Deiner Hand auf den Boden: Klopf! Ist das Denken oder Nicht-Denken? Kannst Du 'Klopf' denken oder nicht-denken?

'Tun', 'Aktion', 'Geschehen', 'Sein, 'Jetzt', ist das alles gleich oder verschieden? Schau nach: Klopf! 'Ist' ist 'Klopf'. 'Ist' von 'Körper', 'Ist' von 'Sonne', 'Ist' von 'Universum'. Dasselbe grosse 'Ist'. Prüfe es: Dein Körper - Klopf - und die Sonne - Klopf - gleich oder verschieden? Antworte nicht: Gleich! Antworte nicht: Verschieden! Wörter ohne Selbstnatur. Was 'ist' es 'wirklich'? Da ist nur: 'Klopf'. Da ist nur ein nahtloses 'Ist', ein einziger 'Block' an Wirklichkeit. Dein 'Körper', welcher Dein 'Geist' ist, geht nahtlos in das Universum über. Da ist nur: 'Klopf'. Das Universum, eine klare Perle. Das bist Du! Klopf: Jetzt ist alles was ist. Klopf: Jetzt ist alles und nichts! Erfährst du 'Klopf', erfährst du alles. Es gibt keinen Körper - 'Klopf', keinen Buddha - 'Klopf', keine Welt - 'Klopf', aber es gibt Körper - 'Klopf', Buddha - 'Klopf', Welt - 'Klopf'. Die Sonne weiß nichts über die Sonne, aber sie 'ist' - die Sonne. Wenn Du anstatt zu klopfen 'sitzt', wird es 'Shikantaza' genannt. Shikantaza - 'Nur-Sitzen'. Das ist unsere Praxis. 'Nur-Klopfen', mit dieser Hand, das ist ganz leicht. Tu es! 'Nur-Sitzen', mit diesem Körper, das ist ganz leicht. Tu es! Ich frage Dich: 'Sitzen' und 'Klopfen', gleich oder verschieden?

Wenn Dich also jemand fragt: 'Was ist 'Shikantaza', was ist 'Hishiryo'', dann schlag auf den Boden. Klopf! Ist das 'Denken' oder 'Nicht-Denken'? Weder noch. Genauso praktiziere Shikantaza. Dieser Körper, der Du bist! Ist das 'Denken' oder 'Nicht-Denken'? Weder noch. Der ganze 'Körper' ist: 'Klopf' - 'Klopf' ist das ganze Universum. Das 'bist' 'Du' wirklich.

Der Zen-Meister Bassui Zenji fasst es für dich, der du aus dem 'Rinzai' kommst, für dich, der du aus dem 'Soto' kommst und für dich, der du so gekommen bist, zusammen. Er setzte sich in die Zazen-Haltung und sagte zu seinen Schülern:'Schaut hierher! Was ist das? Betrachtet es auf diese Weise und ihr werdet nicht getäuscht.'

Mittwoch, 15. April 2009

Ego-Shooter

Zazen in der Form von Shikantaza ist erhaben, weil das Universum erhaben ist, welches sich durch dieses Zazen Ausdruck verleiht. Wird Shikantaza jedoch 'im Geist' und nicht mit dem Körper praktiziert, wird diese universelle 'Erhabenheit' eine ganz persönliche 'Erhabenheit'. Die Konsequenz: Das Ego bläht sich auf die Grösse des Universums auf. Dieses 'Zenego', welches das ganze Universum umfasst, ist weit und breit zu sichten. Da sitzen sie also in ihren Gewändern, rezitieren, schwadronieren, sind ganz und gar auf 'Zen', lehren sogar 'richtiges Zen', das 'ausschließlich' von einem Lehrer an dich übertragen werden könne. Viele sogenannte 'Meister' hat diese Zenkrankheit erwischt. Zen hat viele große Egoisten und Narzisten hervorgebracht. Pass auf! Bewahre deinen Anfänger-Geist Tag für Tag! Steck dich nicht an! In Wirklichkeit ist diese 'Zen-Spezies', welche stellvertretend für den grossen Rest der Menschheit steht, bedauernswert, denn sie kann 100 Jahre sitzen, es wird nie Ausdruck der Wirklichkeit sein, nur Ausdruck ihres ganz persönlichen angeschwollenen Egos, das scheinbar Shikantaza praktiziert. Sie leben nur: 'Form ist Leere, Leere ist Form'. Sie leben nicht: 'Form ist Form, Leere ist Leere'. Einfach 'genau-so'? Das kennen sie nicht. Zweifle wenn man dir sagt: Sei achtsam! Zweifle wenn man dir sagt: Alles Zen! Zweifle wenn man dir sagt: Ohne Lehrer kein Zen! Zweifle auch an meinen Worten!

Sonntag, 12. April 2009

Shikantaza

Zazengi - von Dogen Zenji

„Für Zazen ist ein stiller Ort geeignet. Breite eine dicke Sitzmatte aus. Vor Wind und Wetter geschützt, sollte kein Tau und Regen eindringen. Halte diesen Ort sauber und ordentlich. Es gibt Spuren aus früheren Zeiten, als auf Diamanten und Felsen gesessen wurde. Dabei saß man stets auf dick ausgebreitetem Gras. Der Ort zum Sitzen sollte hell sein, dunkel weder während des Tages noch in der Nacht. Dass er im Winter warm und im Sommer kühl ist, gehört zur Kunst dazu.

Löse dich aus allen Bindungen, lasse die zehntausend Angelegenheiten ruhen. Denke nicht an gut und böse. Es geht weder um Geist noch um Bewusstsein, weder um Gedanken noch um Anschauungen. Versuche nicht einen Buddha aus dir zu machen, lass Sitzen und Liegen fallen. Halte Maß beim Essen und Trinken, nutze den Tag wie die Nacht. Übe Zazen so als wolltest du ein Feuer auf deinem Haupt auslöschen. Der fünfte Patriarch auf dem Berg Ôbai (Huang-mei) widmete sich Zazen als seiner einzigen Aufgabe, er kannte kein anderes Geschäft. Trage das äußere Mönchsgewand (Kashâya) während Zazen und sitze auf einem Kissen. Lege das Kissen nicht unter das ganze Gesäß, sondern lass es zur Hälfte nach hinten herausragen. Auf diese Weise befindet sich die Matte unter den Füßen und das Kissen unter dem Rückgrat. Dies ist die Art und Weise, auf die die Buddhas und Patriarchen beim Zazen sitzen. Sitze entweder im halben Lotussitz oder im vollen Lotussitz. Beim vollen Lotussitz lege den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel und dann den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel. Die Fußspitzen liegen dabei in einer Linie mit dem Oberschenkel, sie sollten nicht darüber hinausragen. Beim halben Lotussitz lege einfach den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel. Trage das innere und äußere Gewand locker und ordentlich.

Lege die rechte Hand auf den linken Fuß und die linke Hand auf die rechte Hand. Die Spitzen der beiden Daumen sind gegeneinander gestützt. Plaziere die beiden Hände auf diese Weise nahe am Körper. Die sich berührenden Daumenspitzen sollten dem Nabel gegenüber liegen. Sitze gerade, in der richtigen Haltung. Sitze nicht nach links oder rechts ge krümmt, vornüber gebeugt oder zurückgelehnt. Ohren und Schultern sollten stets in einer Linie sein, während die Nase dem Nabel gegenüberliegt. Die Zunge sollte am Gaumen anliegen. Atme durch die Nase. Halte Lippen und Zähne geschlossen. Halte die Augen geöffnet, weder zu weit und noch zu schmal.

Sind Körper und Geist auf diese Weise eingestimmt, dann atme einmal tief durch den Mund aus. Sitze reglos wie ein mächtiger Berg in Konzentration und denke auf dem Grund des Nicht-Denkens. Wie denkt man auf dem Grund des Nicht-Denkens? Lass die Gedanken los! Dies macht die Kunst des Zazen aus. Zazen bedeutet nicht, etwas von Meditation zu lernen - es ist das Tor des großen Friedens und Glücks der Lehre. Es ist unbeflecktes Üben und Erweisen." [ Zazengi, 11. Kapitel des Shôbôgenzô von Dogen Zenji ]

Zazenshin - von Dogen Zenji

„Ein Mönch fragt Großmeister Yaoshan Hongdao (Yakuzan Kudô) nach dem Sitzen: " Was für ein Denken wirkt am Ort der Unbewegtheit?" Der Meister antwortet: "Denken auf dem Grund des Nichtdenkens." Der Mönch fragt: "Was für ein Denken wirkt auf dem Grund des Nichtdenkens?" Der Meister antwortet: "Undenken". Bezeuge die Worte des Meisters durch das Ergründen und die richtige Übernahme des unbeweglichen Sitzens. Das bedeutet Vertiefung in unbewegliches Sitzen, so wie sie im Buddhaweg weitergegeben wird. Nicht nur ein einziger hat über den Ort der Unbewegtheit nachgedacht, doch Yaoshans Worte stehen an erster Stelle. Er sagt: "Denken auf dem Grund des Nichtdenkens." Das sind Haut, Fleisch, Knochen und Mark des Denkens und auch des Nichtdenkens.

Der Mönch fragt: "Was-Für-Ein-Denken wirkt auf dem Grund des Nichtdenkens." Tatsächlich - der Grund des Nichtdenkens, von dem von altersher gesprochen wird, ist nichts anderes als das Wirken von Was-Für-Ein-Denken. Ist da nicht Denken am Ort der Unbewegtheit? Und wie könnte das Voranschreiten durch den Ort der Unbewegtheit je misslingen? Wer nicht zu den Narren dieser Tage gehört, muss über die Kraft verfügen, den unbeweglichen Zustand zu hinterfragen, ihn zu durchdenken.

Der Großmeister sagt: "Undenken". Wenn das, was hier Undenken genannt wird, in der Praxis gebraucht wird, strahlt es in heller Klarheit. Wir verwenden es stets, wenn wir auf dem Grund des Undenkens denken. Im Undenken ist einer, einer der mich aufrechthält. Auch wenn dieser Ort der Unbewegtheit nichts anderes ist als ich selbst, ist da nicht bloß Denken, sondern Verkörperung vom Ort der Unbewegtheit selbst. Auch wenn der Ort der Unbewegtheit selbst am Ort der Unbewegtheit ist, wie könnte er den Ort der Unbewegtheit denken? Wenn dem so ist, dann unterliegt der Ort der Unbewegtheit weder dem Maß der Buddhas noch der Lehre, er ist weder mit Erwachen noch mit Verstehen abzuwägen. Yaoshan, der auf diese Weise die reine Überlieferung vertritt, ist bereits der 36. Patriarch in direkter Linie nach Shakyamuni Buddha. Wenn wir von Yaoshan aus nach oben forschen, dann finden wir Shakyamuni Buddha an 36. Stelle. Was hier wahrhaft überliefert wird, ist eben dieses Denken auf dem Grund des Nichtdenkens.

Nun hört man allerdings in jüngster Zeit einige verdreht Köpfe verlautbaren: "Wenn einer durch angestrengtes Sitzen vollkommen leer wird in seiner Brust, dann ist er am Ort von Ruhe und Frieden." Diese Auffassung ist nicht einmal der der Hinayana-Gelehrten gewachsen, sie ist weniger wert als menschliche und himmlische Lehren. Wie könnte man diese Kerle zu denen, die sich in die Buddhalehre vertiefen, zählen? Gegenwärtig gibt es in der Song Dynastie viele, die auf solche Weise angestrengt üben - wie bedauernswert ist doch dieser Verfall des Weges der Patriarchen.
Eine andere Sorte von Irrsinnigen erklärt: "Studium des Weges durch Zazen mag ein wichtiges Werkzeug sein für Anfänger und diejenigen, die erst spät im Alter auf den Weg gestoßen sind, doch dies ist nicht notwendigerweise das Geschäft der Buddhas und Patriarchen. Zen ist sowohl in der Bewegung als auch im Sitzen, im Reden und auch im Schweigen, in Arbeit und in Ruhe findet der Körper Frieden. Halte dich nicht nur an die Übung dieses Augenblicks." Dies ist die Überzeugung vieler, die aus der Richtung Linjis (Rinzais) kommen. Dass sie so tönen, liegt daran, dass sie es versäumt haben, die Lebensessenz der Buddhalehre zu überliefern. Was bedeutet hier Anfängergeist, ab wann ist einer kein Anfänger mehr, wann ist er Anfänger?

Wisse, dass die Vertiefung in das Studium des Weges durch die Übung des Zazen- Weges erfolgt. Sie wird durch die wegweisende Lehre der übenden Buddhas, die nicht danach streben, einen Buddha zu machen, verkörpert. Eben weil übende Buddhas keinen Buddha machen, verwirklicht sich offenbare Tiefe. Der Körper-Buddha ist ebenfalls kein gemachter Buddha, aber wenn erst alle Begriffsnetze und Denkrahmen durchbrochen sind, dann hindert der Sitz-Buddha das Buddha-Machen nicht mehr. Dieser Moment hat das Potential, gemeinsam mit tausend und zehntausend Zeitaltern, im Buddha aufzugehen oder im Teufel aufzugehen. Ein Schritt vorwärts, ein Schritt zurück, da ist genug um Gräben und Täler zugleich zu füllen." [ Auszug aus dem Zazenshin, 12. Kapitel des Shôbôgenzô von Dogen Zenji ]

_()_ Sei der Buddha!

Im folgenden Video zeigt G.W. Nishijima, wie Dogen Zenji's Worte in die Praxis umgesetzt werden können. Mehr musst du über Zazen eigentlich nicht wissen. Naja, diesen Link gebe ich dir auch noch auf den Weg. Naja, unter diesem und neben diesem Beitrag sind auch noch einige Fingerzeige. Aber dann: Ab zum Zazen!

video

_()_ Was Zazen nicht ist!

Tu' dir selbst einen Gefallen: Praktiziere während deines Sitzen in Zazen bitte keine wie auch immer geartete 'Achtsamkeit'. Dadurch wärst du von deinem 'Nur-Sitzen' 'nur getrennt'. Richte dein 'Bewusstsein' auch nicht auf den Atem; der tut's von alleine. Tust du es doch, richtest du dein Zazen regelrecht mit dem 'Bewusstsein' bzw. deiner 'Achtsamkeit' hin. Warum? Das kannst du in einigen Beiträgen im Blog nachlesen. Auch gibt es nichts zu erreichen oder zu erleben. Zazen ist keine 'Meditation'. Zazen ist: Nur-Sitzen. Zazen bringt dir nichts. Keine Marienvisionen, levitierende oder kackende Buddhas, gute bzw. schlechte Gefühle und schon gar kein 'Satori', das es noch zu erlangen gäbe. Glaubst du etwa wirklich, 'Satori' spiele sich in deinem Hirn ab? Zazen an sich ist 'unbewusst', 'unspirituell' und automatisch es selbst. Setz' einfach keinen extra Impuls an 'Denken' und keinen extra Impuls an 'Nicht-Denken'. 'Sei' nur. Das kannst du nicht denken, nur 'tun'. Lass also dein 'Bewusstsein' einfach 'Bewusstsein' sein. Es ist ganz einfach nicht wichtig. Wichtig ist deine Haltung, dieser Körper, der 'ist'. Der Körper, der Ort an dem du sitzt, das Sitzen selbst und noch viel mehr, ist Hishiryo - Undenken. Wie könntest du z.b. den Ort an dem du sitzt 'Denken' oder 'Nicht-Denken'? 'Undenken' ist jenseits von 'Denken' oder 'Nicht-Denken'. Du sitzt also wie ein Buddha, mit Fleisch, Blut und Knochen inmitten der Gedanken und kommst immer wieder zur Haltung zurück.

_()_ Die Geisteshaltung

Noch etwas zur allgemeinen 'Geisteshaltung' deiner Zazen-Praxis gegenüber. Bitte praktiziere Zazen nicht mit deinem 'Kleingeist'. Du sitzt während deiner Praxis mitten im Universum und das Universum sitzt mit dir. Beim Zazen geht es wirklich nicht nur um 'dich' und wie du dich dabei fühlst! Schau in den Sternenhimmel. Es geht wirklich um alles! Kodo Sawaki bringt es für dich nochmal auf den Punkt:

"Zazen bedeutet, mit diesem Körper - so wie er ist - das ewige Leben zu leben. Es bedeutet, das Leben auf eine absolute Weise zu leben. Das höchste Ziel, das sich ein Mensch in diesem Leben setzen kann, ist, diesen Körper für das ganze Universum einzusetzen. Zazen bedeutet, zu bezeugen, dass du dieses Leben von der großen Natur empfangen hast und nur durch die Kraft dieser Natur lebst. Das bedeutet wiederum, dass du nicht wirklich 'du selbst' bist, denn du bist nahtlos verbunden mit dem ganzen Universum. Deshalb gibt es keinen Ort im Universum, den du nicht erreichst: Wenn du Zazen praktizierst, dann praktiziert das ganze Universum mit dir. Denn das Universum ist der Inhalt deiner Praxis.[...] Wenn du erkennst, dass du nahtlos mit dem Universum verbunden bist, dann wirst du auch verstehen, dass es dir nicht möglich ist, dass kosmische Leben zu töten. Wenn du das kosmische Prinzip verstehst, dass es überhaupt nicht möglich ist, Leben zu töten, dann wirst du auch nicht töten. Das ist die Bedeutung des Satzes: "Du sollst nicht töten!" Das ist kein Verbot. Es ist eine Selbstverständlickeit, zu der du aufwachen musst." [ Kodo Sawaki, Zen ist die größte Lüge aller Zeiten ]

_()_ Der wichtigste Punkt

Während Zazen drückst 'du' zur Abwechslung mal nicht ein angeschwollenes, ganz persönliches 'Ego' aus. 'Du' drückst auch nicht die Wirklichkeit aus. Du 'bist' Ausdruck der Wirklichkeit! Deshalb praktizierst nicht 'du' Zazen. Zazen praktiziert Zazen. Und weil es keine '1/4' Wirklichkeit gibt, praktiziert das ganze Universum Zazen, wenn Zazen Zazen praktiziert.

Lass es dir auf der Zunge zergehen, werde eins mit der Tatsache, dass du während Zazen Ausdruck der Wirklichkeit 'bist' und nicht 'du' die Wirklichkeit ausdrückst. Im folgenden Absatz will ich mich in einer Erklärung versuchen. Sie wird schief gehen.

Körper geschieht, Sitzen geschieht, Herzschlag geschieht, Atem geschieht, Denken geschieht, Blutkreislauf geschieht, Kernfusion geschieht, das Universum geschieht, Geschehen geschieht. Immer Jetzt. Körper 'ist', Sitzen 'ist', Herzschlag 'ist', Atem 'ist', Denken 'ist', Blutkreislauf 'ist', Kernfusion 'ist', Universum 'ist', Geschehen 'ist'. Alles dasselbe grosse 'Ist'. Alles dasselbe 'Sein'. Alles dasselbe grosse 'Geschehen'. Alles dasselbe grosse 'Tun'. Warum dasselbe? 'Sein' ist immer nur im gegenwärtigen Augenblick. Vergangenheit denkst du nur, Zukunft denkst du nur. Die Sonne kennt keine Vergangenheit und keine Zukunft. Sie 'ist' einfach nur. Das ist die Wirklichkeit, nicht dein Denken, nicht was dein Hirn daraus macht. Alles was 'ist', ist immer nur jetzt. Dieses immerwährende 'Jetzt' umspannt alles was 'ist'. Deshalb ist alles dasselbe eine 'Sein'. Wenn 'Sein' von Körper und 'Sein' von Sonne dasselbe 'Sein' ist, muss 'Sein' 'Leere' sein. Da gibt es keine Sonne und keinen Körper, nur zugrundeliegendes 'Sein'. Das ist potentielle 'Leere'. In, mit, aus, durch, als diese Leere 'ist' Körper und Sonne. 'Sein' ist also, 'genau so wie es ist'. Deshalb ist das 'Sein' von Körper der Körper, von Sitzen das Sitzen, von Herzschlag der Herzschlag, von Atem der Atem, von Denken das Denken, von Blutkreislauf der Blutkreislauf, von Kernfusion die Kernfusion, von Universum das Universum, von Geschehen das Geschehen.

Alles ist seine Selbstzeit. Körper, Sitzen, Herzschlag, Atem, Denken, Blutkreislauf, Kernfusion, Universum, Geschehen - das alles kannst 'du' nicht denken oder nicht-denken, hat mit deinem 'Ego' oder 'Bewusstsein' mit dem 'du' dich identifizierst rein gar nichts zu tun. 'Ist', 'Sein(-Zeit), die Wirklichkeit, kannst du nicht denken oder nicht-denken, kannst 'du' nicht 'tun' oder 'nicht-tun'.'Du' kannst gar nichts 'tun'! 'Tun' tut. 'Du' lebst nicht aus 'eigener' Kraft, 'dein' Leben gehört nicht 'dir' allein, es ist nicht 'deine' Leistung, dass du bist. In Wirklichkeit ist alles genau so wie es ist, alles geschieht einfach, auch ohne 'dich'! Deshalb rate ich dir: Lege dein 'Ego' beiseite, lege dein 'Bewusstsein' beiseite, lege deinen 'Scheingeist' beiseite, geh' aus diesem 'Hirnkonstrukt' raus und 'Sei' dieser Körper, 'besitze' ihn nicht länger! Sei 'Sitzen', sitze nicht länger! Denke Undenken! Lass Zazen Zazen praktizieren. Bedeutet: Du 'bist' Ausdruck der Wirklichkeit! Bedeutet nicht: 'Du' drückst die Wirklichkeit aus. Überlasse 'dich' während Zazen der Wirklichkeit die den Körper atmen lässt, die Sonne scheinen lässt, lass sie tun, lass sie sich selbst als Körper ausdrücken. In Wirklichkeit 'bist' 'du' genau dieses 'Tun', 'bist' 'Du' genau diese Wirklichkeit, deshalb kannst 'du' die Wirklichkeit nicht praktizieren. Da du dieser Körper 'bist', ihn nicht 'besitzt', da du 'Sitzen' 'bist' und nicht 'du' sitzt, bist 'du' Eins mit dem grossen 'Ist', 'Sein(-Zeit)', Wirklichkeit, Universum, 'Tun', 'Geschehen' oder wie auch immer du es nennen möchtest. Da es kein 1/16-Sein gibt, geht 'Körper', 'Sitzen', 'Tun', nahtlos in das 'gesamte' Universum über. Der 'Körper', welcher dein 'Geist' 'ist', ist das gesamte Universum, die gesamte Seinzeit, genau so wie sie ist. 'Genau so wie sie ist' bedeutet wiederum, dass du den Fleischsack, der du bist, behalten kannst um mit ihm und durch ihn Zazen zu praktizieren. Wenn dann ein Bettler kommt und er ist hungrig, steh auf und gib ihm was zu Essen. Einfach genau so. Willkommen Zu Hause grosser Bodhisattva!

'In Zazen hörst du auf, 'du' zu sein.
Du wirst eins mit der großen Natur -
oder besser gesagt: Die große Natur
kehrt endlich zurück - zu sich selbst.'
Kodo Sawaki

_()_ Der ursprüngliche Punkt

Wenn dich jemand fragt: 'Was ist 'Shikantaza', was ist 'Hishiryo'', dann schlag auf den Boden: 'Klopf!' Ist das 'Denken' oder 'Nicht-Denken'? Weder noch. Genauso praktiziere Shikantaza. Der ganze 'Körper' ist: 'Klopf' - 'Klopf' ist das ganze Universum. Das 'bist' 'du' wirklich.

Der Zen-Meister Bassui Zenji fasst es für dich, der du aus dem 'Rinzai' kommst, für dich, der du aus dem 'Soto' kommst und für dich, der du so gekommen bist, zusammen. Er setzte sich in die Zazen-Haltung und sagte zu seinen Schülern:'Schaut hierher! Was ist das? Betrachtet es auf diese Weise und ihr werdet nicht getäuscht.'

_()_ Das Werkzeug

'Ist' ist 'Geist'. 'Geist' ist in Wirklichkeit umfassendes 'Ist' und somit umfassende 'Leere'; darum 'ist' er dieser Körper, Mond, Mauer, Ziegel, Steine, darum ist er alle Dinge, darum ist 'Geist' genau dasselbe wie das ganze All. Darum ist alles so wie es 'vor uns' erscheint die Wahrheit. Darum ist alles einfach genau so wie es ist. Darum bist du dieser Körper, welcher dein 'Geist' ist. Darum 'bist' du einfach genau so dieser Körper, welchen du mit einem gesonderten 'Geist' weder denken noch nicht-denken kannst. Genau so wie Mond, Mauer, Ziegel, Steine. Nahtlos, der Körper, welcher das ganze All ist.

Was bist du also? Geist? Zeig mir deinen 'Geist'! Das kannst du nicht, ist er nicht fassbar? Aber da sitzt er doch! Da, dieser 'Hautsack', das ist es, das 'bist' du!

Samstag, 11. April 2009

Gedankenstille

Klingt nicht gut. Das ist kein Zazen, denn du praktizierst mit/in deinem Geist, nicht mit/durch deinen Körper, welcher dein Geist ist. 'Undenken' ist nicht 'Nicht-Denken' - es ist jenseits von Denken & Nicht-Denken. Das Denken wie auf Knopfdruck stoppen um in irgendeiner 'geistigen' Leere 'geistig' zu verharren? Das ist nicht Undenken. Das 'Bewusstsein' ist während Zazen nicht unser Problem. Satori, die Praxis, spielt sich nicht 'im' Kopf ab, sondern in der Wirklichkeit. Komm weg von der Idee, dass das 'Bewusstsein' und seine Inhalte irgendwas mit Zazen zu tun haben könnte. Dann ist es auch völlig egal, ob Du diese oder jene guten oder schlechten Gefühle nach dem Zazen hast oder nicht, denn darum geht es gar nicht. Da ist dein Körper, der bist du und der 'ist' wie alles Andere auch. Ganz von alleine, ohne dass sich irgendein 'Subjekt' darauf 'ausrichten' muss.

Sei Ausdruck des 'Sein' durch und mit der Körperhaltung des Zazen. Das ist ein 'Tun'. Lass dein Bewusstsein dein Bewusstsein sein. Du hast während Zazen gar keine Zeit dich auf einen 'Geist' auszurichten oder per Knopfdruck 'Leere' darin zu erzeugen. Das wäre echte Zeitverschwendung. Sitz einfach nur. Du sitzt nicht mit deinem Geist, sondern mit diesem Körper ('Geist' ist von den Dingen nicht unterschieden. Wird jedoch von 'Geist' gesprochen wie in unserem Fall, gibt es keinen 'Geist'. An anderer Stelle mehr dazu). Solange du Zazen nur 'in' deinem 'Geist' als eine Art 'Meditation' praktizierst, solange wirst du diese und jene positiven oder negativen 'Gefühle' mit deinem Zazen in Verbindung bringen. Das hat jedoch nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Auf das 'Sein' kann man sich nicht ausrichten, man kann es nur einfach-genau-so 'sein'. Form ist Form und Leere ist Leere. Um mit Sodo Yokoyama zu sprechen: Die untergehende Sonne weiß nichts von der untergehenden Sonne, aber sie 'ist' die untergehende Sonne.

'Sein(-Zeit)' geht somit über etwas popeliges wie 'Bewusstsein' hinaus. 'Bewusstsein' ist ein hirngemachter 'Wirklichkeit-Killer', denn es will sich immer auf die Wirklichkeit 'hinrichten' und dann bist du (vermeindlich) getrennt von ihr; nicht sie selbst und somit nicht du selbst. Hier bin 'ich', da der 'Rest'. Bewusstsein ist immer Bewusstsein 'von' x. Was, du siehst Buddha auf der Strasse? Richte ihn hin! Zazen jedoch ist 'unbewusst'. Das bedeutet, 'du' bist eins mit der Wirklichkeit. 'Sein' ist nicht die Landkarte des Gehirns, sondern die Landschaft an sich. So kannst Du 'Sein' weder wahrnehmen noch denken; nur sein. Tun. 'Sein-Zeit' praktizieren, ausdrücken, hier und jetzt, das ist Zazen. Da gibt es nichts zu erreichen, nichts zu werden oder zu denken, denn du bist da, ob du das denkst oder nicht, ob du dich darauf ausrichtest oder nicht, ob du dir dessen bewusst bist oder nicht. Das ist Buddha-Natur die du bist.

Freitag, 10. April 2009

Halt die Luft an!

Halt die Luft an! Versuche mal, das Atmen nur zu denken. Fährst du so fort, wirst du sterben, aber viel wahrscheinlicher ist, dass du vom Denken abkommst um endlich wieder Luft holen zu können und Atmen 'tun' zu lassen. Das ist Erwachen in die Wirklichkeit. Du denkst nicht dass du atmest, du atmest. Du musst dir des Atems nicht bewusst sein oder dich darauf ausrichten; da ist auch Atem, wenn du dir dessen nicht bewusst bist. Atem 'ist' - ob du ihn nun denkst oder nicht denkst. Noch eine verwirrende Neuigkeit für dich: 'Du' atmest nicht. Es geschieht auch ohne 'dich' und erhält den Körper am Leben. Darauf vertraust du, sonst würdest du dich nicht mehr zum Schlafen hinlegen.

Dieses Vertrauen brauchst Du auch während deiner Zazen-Praxis. Dein 'Sitzen' muss nicht gedacht werden, noch muss sich darauf irgendwie ausgerichtet werden, da ist Sitzen, einfach genau so. Sitzen 'ist', ob du das denkst oder nicht denkst. Während Zazen 'ist' Atem, 'ist' Körper, 'ist' 'Ist', ist alles was 'ist', dieses 'Ist'. Zazen praktiziert 'Sein'. 'So wie es ist', ist jenseits von 'Denken' oder 'Nicht-Denken'. Es lässt sich schwer in Worte fassen und doch ist nichts 'spirituelles' oder gar 'mystisches' daran; es ist einfach dein Leben. So wie der Atem atmet, sitzt das Sitzen, tut das Tun. Also: Nicht 'du' musst irgendwas tun. 'Du' kannst gar nichts tun. Atem 'ist' Atem. ('Einfach-genau-)So-Sein', jenseits eines 'für-sich-stehenden', hingerichteten 'Bewusstseins', das 'Ich' transzendierend.

Problem: Wir verwechseln unser Denken mit der Wirklichkeit und so von ihr getrennt. Denken wir 'Feuer', steht unser Kopf nicht gleich in Flammen, sagen wir 'Feuer', verbrennt unsere Zunge nicht, denken wir 'Sitzen', sitzen wir nicht wirklich, denken wir 'Atem', ist das nicht der Atem selbst. Wir verwechseln die Landkarte mit der Landschaft, leben nur in der Landkarte, welche oft 'Geist' genannt wird. Die Landkarte denkt, sie sei es, welche die Landschaft 'tut', weil die Landschaft an sich 'tut'. Die Landkarte denkt, sie sei die Landschaft, weil die Landschaft an sich 'ist'. Die Landschaft ist, unabhängig davon, ob eine Landkarte da ist oder nicht, unabhängig ob eine Landschaft gedacht wird oder nicht. Die Landschaft 'Nicht-Denken' ist nicht die Landschaft. Die Landschaft 'Denken' ist nicht die Landschaft. Die Landschaft ist einfach die Landschaft. Dies ist 'Denken am Grunde des Nicht-Denkens', dies ist 'Undenken', dies ist 'Hishiryo', jenseits von Denken oder irgendeiner ominösen Geistesstille.

Wohin also mit dem '(Klein)-Geist' wenn wir Zazen? Wir lassen den '(Klein-)Geist' einfach '(Klein-)Geist' sein, setzen weder einen extra Impuls an 'Denken' noch einen extra Impuls an 'Geistesruhe schaffen'. Der '(Klein-)Geist' ist während Zazen ganz einfach nicht unser Problem. Wir sitzen mit und durch diesen Körper - welcher 'ist' - inmitten der Gedanken, das ist alles. Hishiryo ist dieser Körper, hier, jetzt, ein Buddha inmitten des Feuers. Für Zazen musst und kannst 'du' also nichts tun oder etwas werden oder dich auf irgendwas ausrichten, hinrichten, irgendwas unterdrücken oder forcieren oder bewusst werden. Zazen ist 'unbewusst' und automatisch 'es selbst', also mach dir keinen Stress, sondere 'dich' aber nicht vom Zazen ab.